Starker Lohnstückkostenanstieg belastet die Wettbewerbsfähigkeit

Höhere Löhne, weniger Produktivität: Österreich verliert immer mehr an Wettbewerbsfähigkeit. Schrauben, an denen man drehen könnte, gebe es so einige.

Zuletzt aktualisiert am 26.03.2025, 14:09

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Der starke Anstieg der Lohnstückkosten in Österreich hat die Wettbewerbsfähigkeit des Landes erheblich geschwächt. In den letzten Jahren sind die Löhne deutlich stärker gestiegen als bei unseren Handelspartnern, während die Produktivitätsentwicklung hinterherhinkt. Infolgedessen sind die Lohnstückkosten seit 2015 um 39,5 % angestiegen – ein Zuwachs, der deutlich über dem EU-Durchschnitt von 26,6 % liegt. Auch im Vergleich zu Deutschland, wo die Lohnstückkosten pro Arbeitsstunde um 8 Prozentpunkte weniger gestiegen sind, verliert Österreich zunehmend an Wettbewerbsfähigkeit.

Wettbewerbsfähigkeitsverlust: Lohnstückkosten steigen viel stärker als bei unseren Handelspartnern

Nominelle Lohnstückkosten (auf Basis von Arbeitsstunden), Index, 2015 = 100

Lohnstückkosten

Der Energiepreisschock und die hohe Inflation haben die Lohnkosten in Österreich stark ansteigen lassen, ohne dass es zu einem entsprechenden Produktivitätsausgleich kam. Die Produktivität ist seit 2022 sogar zurückgegangen – um 2,0 % auf Stundenbasis (real). Infolgedessen sind die Lohnstückkosten allein in den vergangenen zwei Jahren um insgesamt 20 % gestiegen, während der Anstieg in Deutschland im selben Zeitraum lediglich 13 % betrug. Der Kostennachteil gegenüber Deutschland wächst im Bereich der Industrie weiter aufgrund des aktuellen Pilotabschlusses der IG Metall (WKO).

Der übermäßige Anstieg der Lohnstückkosten hat erhebliche Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Österreich. Dies führte mit dazu, dass Österreich 2024 die schwächste Exportentwicklung in der EU hatte: Österreichs Exporte gingen um 4,3 % zurück, während die Ausfuhren im EU-Durchschnitt sogar leicht angestiegen sind (+1,1 %). Diese Entwicklung ist auch ein wesentlicher Grund dafür, dass sich Österreich in der längsten Rezession der Nachkriegszeit befindet. Zudem hat der hohe Kostendruck die Profitabilität der heimischen Unternehmen deutlich unter den EU-Durchschnitt sinken lassen. Da ein Teil der Gewinne üblicherweise reinvestiert wird, verringert dies den finanziellen Spielraum für Investitionen und schmälert damit das künftige Wachstumspotenzial.

FAZIT: In den vergangenen zwei Jahren haben der hohe Lohnkostendruck und die rückläufige Produktivität die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Wirtschaft erheblich geschwächt. Um diesen Entwicklungen entgegenzuwirken, gilt es nun zügig die angebotsseitige Kostenbelastung zu lindern. Dazu zählt die Senkung der Lohnnebenkosten ebenso wie die Wiederherstellung und Sicherung wettbewerbsfähiger Energiepreise. Auch bei der Reduktion der Bürokratiekosten gibt es noch erhebliches Potenzial.